70 Jahre Unabhängigkeit vs. 5.000 Jahre Zeitgeschichte

von | Dez 28, 2017 | Indien, Interkulturell, Kultur, Politik, Veränderung, Wirtschaft | 0 Kommentare

Einer meiner Einführungsübungen in Teamtrainings, das heißt, wenn deutsche und indische Kollegen zusammen interkulturell sensibilisiert werden ist, Stereotypen über die jeweiligen Länder zu nennen und während des Trainings hinterfragen wir diese (oft typischen) genannten Stereotypen.

Dabei fallen für Indien sehr häufig die Begriffe „Atommacht“ und „Armut“ sowie „Paläste“ und „Slums“. Dass Indien eine sehr lange und reiche Historie hat, ist den Teilnehmern nicht immer bekannt. Darauf wird im Laufe des Trainings kurz eingegangen (auch auf die deutsche Geschichte), denn um gute Geschäfte zu machen, ist es hilfreich die Historie eines Landes zu kennen.

Die Engländer besetzten Indien knapp 90 Jahre (1858-1947) (diese Zeit ist auch als Britisch-Indien bekannt).

 

Wie genau entstand dies?

Die Industal-Zivilisation, größtenteils im heutigen Pakistan gelegen, war eine der frühen Hochkulturen  der Welt, mit einer eigenen Schrift, der bisher nicht entzifferten Indus-Schrift. Ihre Geschichte reicht mindestens 5.000 Jahre zurück. Um etwa 2.500 v. Chr. existierten dort geplante Städte wie Harappa, mit einer Kanalisation, Seehäfen und Bädern.

1857 lehnten sich hinduistische und muslimische Soldaten gegen ihre britischen Befehlshaber, der britischen Ostindien-Kompanie auf. Dieser Aufstand war auch unter den Namen Sepoyaufstand bekannt. Dabei beschränkte sich dieser Aufstand auf den Norden Indiens und betraf die Bundesländer Uttar Pradesh, Bihar, der Norden von Madhya Pradesh sowie die Region um Delhi.

Nachdem dieser Aufstand niedergeschlagen wurde wurde Britisch-Indien gegründet indem die Gebiete der Britischen-Ostindien-Kompanie in eine Kronkolonie umgewandelt wurden. Britisch-Indien umfasste zur Zeit seiner größten Ausdehnung nicht nur das Territorium der heutigen Republik Indien, sondern auch die Territorien der heutigen Staaten Pakistan, Bangladesch und Myanmar. Im Jahr 1876 wurde Königin Victoria von Großbritannien zur Kaiserin von Indien ausgerufen und das Kaiserreich Indien (Indian Empire) galt allgemein als der „Kronjuwel des britischen Empire“ („the Jewel in the Crown of the British Empire“). (Quelle: Wikipedia)

Das Besondere an Britisch-Indien war, dass nur zweidrittel seiner Bevölkerung und nur die Hälfte der Landfläche unter seiner Herrschaft, also direkt unter britischer Herrschaft stand. Der Rest wurde von einheimischen Fürstendynastien beherrscht. Diese Dynastien standen in einem persönlichen Treueverhältnis zur britischen Krone.

 

Welche Konsequenzen hatte das?

Die Frage, die sich  mir hier stellt, wo wäre Indien heute, wenn es die Kolonialzeit nicht gegeben hätte?

Vor dieser Zeit war es ein sehr wohlhabendes Land mit Juwelen, Palästen, und florierendem Handel. Das vedische Zeitalter (1500 – 500 v. Chr.), das den Hinduismus geprägt hat und die sog. Varnas entstehen ließ. Wörtlich übersetzt bedeutet Varna „Farbe“, was nichts mit der Hautfarbe zu tun hat. Der Grundgedanke dieses Systems beinhaltete Harmonie und Kooperation zwischen Menschen, die in einer Gemeinschaft zusammenlebten. Diese Menschen mischten sich nicht in andere Belange ein und traten auch in keinen „Wettbewerb“ wie man es aus dem heutigen Kastensystem kennt. Fälschlicherweise wird heute Varna mit „Kaste“ übersetzt. Das Kastensystem (inkl. der Begrifflichkeit „Kaste“), wie man es heute kennt, wurde vermutlich durch die Engländer eingeführt. Ihren Einfluss auf die Fürsten und deren Habgier konnten die Kolonialherren zu ihren Gunsten nutzen. Die indische Gesellschaft wurde durch die Einführung des heute bekannten Kastensystems  geschwächt. Und aus dieser Gesellschaftsstruktur kommt der Subkontinent bis heute schwer heraus.

 

Ein Gesellschaftssystem mit den kollektiven Werten zusammen mit dem politischen System ist ausschlaggebend für die Entwicklung eines Landes. Auf der einen Seite ist der Subkontinent (genauso wie sein Nachbar Pakistan) eine Atommacht. Aber das inoffizielle Anerkennen des Kastenwesens ist heute noch zu spüren. Aber es gibt Veränderungen in dem seit 1947 unabhängigen Indien. Die Bevölkerung stellt sich immer mehr gegen die Ungleichheiten. 70 Jahre Unabhängigkeit haben seine Spuren in einer 5.000 Jahre alten Kultur hinterlassen.

 

2018 steigt Indien zu der fünftgrößten Wirtschaftsmacht auf. Vielleicht hätte das auch früher passieren können, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre und das Bewusstsein der Bevölkerung sich anders entwickelt hätte.

 

Die Prognose durch „The World Economic Forum“ besagt, dass Indien bis 2050 nach China die zweitgrößte Wirtschaftsmacht sein wird. Um das erreichen zu können, wird viel passieren (müssen). Wir können gespannt sein, wie die Gesellschaft und die Politik diese Entwicklung mitmachen werden.

 

 

Text: Purvi Shah-Paulini

Bild: Purvi Shah-Paulini

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Episode 7/21: The Wisdom Workshop Interview with Ute Marke „The Mad Mom Cycling“

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“We are one human race. We all have the same aspirations and dreams … we all have the same hopes … and we all go through the same things. We should stop limiting ourselves to religion, gender, or to national aspects. This is just rubbish in my sense … I just consider myself to be part of the human race. I bow my head towards India, because India allows me to be the way I am” – Ute Marke

Ute Marke whose nick name is “The Mad Mom Cycling”, is a certified economist with sound experience in Telecommunication sector with strong focus on human centered digitalization. Now a days she supports young businesses within the green economy with strategic advice and consultancy. She has enabled life enhancing social projects in Africa and India

Where does her passion for India come from? What has this country given her? What relationship does she have with spirituality and how does she see herself and others see her? And of course we speak about Leadership and Change, resilience and sustainable future. What can German companies learn from India?

Listen to this impressive woman, who learned cycling at the age of 45 and cycled 1000 miles through Lesotho for a good cause and the Himalayas! Ute, you rock and P L E A S E keep on going. You show people around the world, that nothing is impossible and everything starts in your mind: boundlessness or the belief in a life full of boundaries. You are a role model! Thank you for this wonderful and very deep interview. With a deep bow!