Ein Porträt: Manmohan Singh

von | Aug 19, 2007 | Deutsch, Politik, Wirtschaft | 0 Kommentare

Der Reformer

Indiens Premierminister Dr. Manmohan Singh

 Gemächlich schreitet Angela Merkel mit ihrem Gast über den roten Teppich. Im Hintergrund wehen links die indische und rechts die deutsche Flagge. Deutsche Soldaten stehen Spalier und zollen Dr. Manmohan Singh, dem indischen Premierminister, Tribut. Beobachter sind sich einig: Der Besuch des Premiers, der bei Staatsbesuchen eher ruhig und ähnlich wie sein Regierungsstil auffallend dezent auftritt, im April 2006 vertiefte die strategische Partnerschaft mit Deutschland.   

Singhs Markenzeichen sind sein grauer Bart, sein blauer Turban – er ist der erste Sikh bzw. Nicht-Hindu als Premier in Indien – und seine Bescheidenheit. Dabei blickt der 1932 im westlichen Teil des Punjabs als Sohn eines einfachen Bauern geborene Manmohan Singh auf eine vor allem akademisch beeindruckende Karriere zurück.

 

Der Wirtschaftsfachmann

Dank hervorragender Noten schaffte er den Sprung an die Punjab University in Chandigarh, wo er seinen Master in Economics machte. Als Stipendiat kam er dann an die englische Elitehochschule Cambridge und später nach Oxford. Dort schrieb Singh 1962 seine Doktorarbeit über Trends und Perspektiven des indischen Exports und des Wirtschaftswachstums. Ein Thema, mit dem er während seiner beruflichen Laufbahn noch praktisch in Berührung kommen sollte. Singh erhielt 1963 eine Professur an der Universität in Chandigarh. Bald wurde er zu einem national, aber international anerkannten Wirtschaftsfachmann. 1965 berief man ihn in das Sekretariat der Vereinten Nationen nach New York, ab 1967 leitete er die Welthandels- und Entwicklungskonferenz der UNO. 1969 kehrte er zurück nach Indien und übernahm eine Professur an der renommierten Delhi School of Economics. 

Schritte in Richtung Politik

Zwei Jahre nach seiner Rückkehr nach Indien begann für Singh seine politische Karriere mit Posten als Wirtschaftsberater im Außenhandels- und im Finanzministerium. Von 1980 bis 1982 war er stellvertretender Vorsitzender der staatlichen Planungskommission. Außerdem leitete er für zweieinhalb Jahre die Indische Zentralbank – Reserve Bank of India. 1987 verließ Singh Indien wieder bis auf weiteres und arbeitete als Sekretär der „Süd-Kommission“ in Genf. Drei Jahre später wurde er zum Berater des Premierministers in Delhi. Als 1991 die schwache indische Wirtschaft kurz vor einem Staatsbankrott stand,  wurde Singh von der Regierung P.V. Narasimha Raos zum Finanzminister berufen. Und das obwohl er damals nicht der Kongresspartei angehörte. Doch man setzte große Hoffnungen in den international anerkannten Wirtschaftsspezialisten, die dieser nicht enttäuschte. Mutig leitete er eine ganze Palette von Reformen zu Stabilisierung der maroden indischen Wirtschaft ein und erlangte so den Ruf eines erfolgreichen Wirtschaftsreformers, der die staatlich gelenkte Wirtschaft liberalisierte. So war es Singh, der als Finanzminister die Grundlagen für den gegenwärtigen Wirtschaftsboom des Landes legte.

Nach einem überraschenden Sieg der Kongresspartei und dem noch überraschenderen Verzicht Sonia Gandhis auf das Amt der Premierministerin, wurde Singh am 22. Mai 2004 zum 14. Premierminister Indiens ernannt. Eine Ernennung, die von großer Skepsis begleitet wurde. Denn jeder wusste, dass Singh sein Amt allein dem Vorschlag von Sonia Gandhi zu verdanken hatte. Kritiker bemängelten, dass ihm die Erfahrung fehle, eine auseinander strebende Koalition aus 19 Parteien zusammenzuhalten. Vor der Parlamentswahl 2004 erklärte er sogar selber, dass er nur zufällig Politiker geworden sei und eigentlich nichts von der Politik verstehe. Doch Singh und Gandhi haben sich als unerwartet gutes Team erwiesen, mit einer klaren Arbeitsteilung. Während er die Regierung führt und sich auf die großen Linien der Politik konzentriert, kümmert sie sich um die Partei, die Koalitionspartner und die Basis. Singh versucht sich aus den Niederungen der Politik herauszuhalten, tritt im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger wenig populistisch auf. So wird Singh oft als der „sauberste Politiker des Landes“ bezeichnet.

Wenn es um Deutschland geht, dann pflegt Indiens Regierungschef gerne eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte über den Respekt vor deutscher Wertarbeit. Bei der Rückkehr vom Studium in Oxford brachte er seiner Großmutter eine Uhr als Geschenk mit nach Indien. Als er sie ihr gab, habe sie gefragt, woher diese  Uhr stamme. „Ich erklärte ihr sie sei aus Schweiz“ sagte Manmohan Singh. „Meine Oma meinte, dass es dann nicht das Beste sein kann, denn die besten Dinge stammen nun mal aus Deutschland.“ Wie seine deutsche Kollegin beschwört Singh die engen Bande zwischen Deutschland und Indien. 

Text: Daniela Singhal

Bild: Manmohan Singh in Heiligendamm beim G8 Gipfel, by Blog do Planalto – Flickr: Segunda-feira, 18 de junho

Besuchen Sie mich im Sozialen Netzwerk.

Publikation

Neueste Podcast Episoden

Episode 10-21: Die Weisheitswerkstatt 3. Interview mit Ajahn Michael über „Das Bedingte Entstehen“

Was immer geschieht, geschieht, weil (unter allen Umständen, die hätten vorliegen können) genau die Umstände vorlagen, die zum konkreten Entstsehen des Ereignisses geführt haben.“

Es geht hierbei um das reine urteilslose Beobachten der Bewegungen unseres Geistes, welches dazu führt, die unpersönliche Natur des Entstehensprozesses von Gedanken, Gefühlen oder Emotionen, so wie die gesamte Kette des Bedingten Entstehens ihn darlegt, und die Vier Edlen Wahrheiten zu verstehen. Es geht um Erkenntnis der Wahren-Natur der Dinge. (Aus den Kursunterlagen von Ajahan Michael)

Episode 9/21: Die Weisheitswerkstatt Interview mit Rolf Lutterbeck über „Ebenen der Bewusstseinsentwicklung“

Rolf Lutterbeck, von Hause aus Informatiker, ehem. Führungskraft, heute systemischer Coach und Trainer spricht über die unterschiedlichen Bewusstseinsebenen. Wir sprechen über die Perspektiven, die von Ebene zu Ebene eingenommen werden können und welchen Einfluss dies auf Wirtschaft und Politik hat und haben kann. Was braucht es für eine hoffnungsvolle Zukunft für nachfolgende Generationen? Was bedeutet das für die persönliche Entwicklung und wie spreche ich Menschen auf unterschiedlichen Bewusstseinsebenen an?

Danke, lieber Rolf, für deine tiefe Freundschaft. Schön, dass wir uns kennen!

Viel Freude beim Anschauen des Videos, das mit wirklich informativen Folien begleitet wird. Natürlich auch anzuhören, nur dieses Mal ist es wichtig die Folien zu sehen.

Episode 8-21: Die Weisheitswerkstatt 2. Interview mit Ajahn Michael „Wie entsteht Leid?“

Warum nennt Buddha sich Beklagen, Geburt, Kummer usw. Leid? Man könnte sagen, dass diese Begrifflichkeiten zu Leid führen. Sie sind eigentlich nicht per se Leid. Aber Buddha hat es, so wie oben beschrieben, definiert. Warum? Das ist eine der Fragen, die Ajahn Michael sich lange gestellt hat. Durch lange Recherchen in der Neurologie, der Psychotherapie und der Psychopathologie hat er Tools gefunden, um genau das zu verstehen. Seine interessanten Entdeckungen, v.a. dass die Lehren des Buddha kongruent mit den genannten Wissenschaften sind, teilt er mit uns in diesem Interview.

Dieses Interview schließt zwar an das erste Interview mit Ajahn Michael an, steht aber für sich und kann somit auch ohne Vorkenntnisse angeschaut bzw. angehört werden.

Folge 7/21: Die Weisheitswerkstatt Interview mit Ute Marke „The Mad Mom Cycling“ (Englisch)

„Wir sind eine menschliche Rasse. Wir haben alle die gleichen Sehnsüchte und Träume … wir haben alle die gleichen Hoffnungen … und wir machen alle die gleichen Dinge durch. Wir sollten aufhören, uns auf Religion, Geschlecht oder auf nationale Aspekte zu beschränken. Das ist in meinen Augen einfach Unsinn … Ich betrachte mich einfach als Teil der menschlichen Rasse. Ich verneige mich vor Indien, weil Indien mir erlaubt, so zu sein, wie ich bin“ – Ute Marke

Ute Marke, deren Spitzname „The Mad Mom Cycling“ lautet, ist Diplom-Ökonomin mit fundierter Erfahrung in der Telekommunikationsbranche mit starkem Fokus auf menschenzentrierter Digitalisierung. Heute unterstützt sie junge Unternehmen in der Green Economy mit strategischer Beratung und Betreuung. Sie hat lebensverbessernde soziale Projekte in Afrika und Indien ermöglicht.

Woher kommt ihre Leidenschaft für Indien? Was hat ihr dieses Land gegeben? Welche Beziehung hat sie zur Spiritualität und wie sieht sie sich selbst und wie sehen andere sie? Und natürlich sprechen wir über Leadership und Change, Resilienz und nachhaltige Zukunft. Was können deutsche Unternehmen von Indien lernen?

Hören Sie dieser beeindruckenden Frau zu, die mit 45 Jahren das Radfahren gelernt hat und für einen guten Zweck 1000 Meilen durch Lesotho und den Himalaya geradelt ist! Ute, du rockst und B I T T E mach weiter so. Du zeigst der Welt, dass nichts unmöglich ist und alles im Kopf beginnt: die Grenzenlosigkeit oder der Glaube an ein Leben voller Grenzen. Du bist ein Vorbild! Vielen Dank für dieses wunderbare und sehr tiefe Interview. Mit einer tiefen Verneigung.

Episode 6/21: Weisheitswerkstatt Interview mit Christian Ahl „Bewusstsein in der Führung“

Was hat Bewusstsein mit Führung zu tun? Wo fängt Führung an?

Mit dem Bewusstseinsmentor Christian Ahl, der jahrelang als Geschäftsführer in der Industrie Erfahrungen als Führungskraft gelebt hat, spreche ich über Bewusstsein, Leidenschaft und Beziehungen. Diese Attribute (und andere) bestimmen das Leben einer Führungskraft. „Immer wenn ich mit jemand in Interaktion trete, verändere ich die Beziehung“, so Christian. Die meisten Probleme in Unternehmen entstehen auf menschlicher und nicht auf fachlicher Ebene. „Ab wann sehe ich wie sich in meinem Leben Entwicklung vollzieht?“ Das gilt es in unser Bewusstsein zu holen, denn Entwicklung zieht sich durch wie ein roter Faden. Wir sprechen auch über Schulbildung, Sprache und vieles mehr und welchen Einfluss diese auf unsere Gesellschaften hat. Wir sind uns einig, dass es ein Nebeneinander von Typen und Entwicklungsstufen geben darf und soll.

Hören Sie rein in dieses vielseitige Gespräch.