Warum Kommunikationsfähigkeit so wichtig ist

von | Mai 31, 2017 | Aufstellungen, Change Management, Integrale Aspekte, Veränderung, Veränderungsprozesse, Wirtschaft | 0 Kommentare

Kommunikation als Flaschenhals zur Zukunft

Oder: Die Relevanz analoger Fähigkeiten im digitalen Zeitalter

 

Wir leben in einer zunehmend digitalisierten Welt. Menschen sind aber analoge Wesen. In Schwellenländern wie Indien wird diese Diskrepanz mehr Verlierer als Gewinner hervorbringen, außer der Mensch besinnt sich auf seinen größten gesellschaftlichen und individuellen Schatz: Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und Erfahrung.

Der einflussreiche Soziologe Richard Sennett, erinnert in seinem Buch „Handwerk“ daran, dass die Entwicklung von Hirn und Hand eine untrennbare Einheit bilden; dass kausales Denken im Umgang aller fünf Sinne mit den Materialien der Welt entsteht und handwerkliche Intelligenz, wie Aufmerksamkeit, Fantasie, Improvisations- und Kombinationsgabe, in jedem Menschen geboren wird.

Sennett geht so weit zu behaupten, dass im Moment, wo die Verbindung zwischen Hirn und Hand nicht mehr funktioniert, das Hirn verlieren wird. Ohne Materialbewusstsein und ohne Kenntnis vom Machen der Dinge seien Menschen als Bürger und Konsumenten nicht urteilsfähig. Das Brachliegen ihrer produktiven Potenzen beschädige Charaktereigenschaften wie Stolz, Bindungsfähigkeit, Engagement und Loyalität. Sennett sieht eine Welt voraus, in der die übergroße Mehrzahl der Menschen zu bloßen Anhängseln eines kapitalgetriebenen technologischen Prozesses wird.

 

Warum ist Kommunikation und Kommunikationsfähigkeit des Einzelnen deshalb so wichtig?

 

Kommunikation ist der Flaschenhals, durch den alles durch muss. Leider lernen wir in der heutigen Gesellschaft keine bedeutungsvolle Kommunikation oder wissen gar nicht, was das eigentlich ist. Häufig stammt der Umgang mit Sprache und Botschaft meist noch aus dem Industriezeitalter mit seiner historischen Prägung aus Befehl und Gehorsam. Und da diese Form der Kommunikation immer auch ein Ausdruck von Macht und Missbrauch ist, wird sie gerade bei den sozial Schwächeren zu einer destruktiven und menschenverachtenden Waffe. Die Digitalisierung ist hier keine Hilfe, eher ein zusätzliches Instrument der Macht. Gerade Gesellschaften in historischen Umbruchssituationen wie z.B. Indien sind hier besonders gefährdet.

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen den Dreisprung in der Analyse ihres Lebens und ihrer biografischen Zusammenhänge nicht schaffen. Dieser besteht aus der Bewusstmachung der eigenen Biografie und seiner relevanten Ereignisse und Bezüge. Dazu gehört das Bewusstsein, dass es ein emotionales Spannungsfeld aus Angst und Sehnsucht gibt, welches uns entscheiden oder mit Dingen, die wir nicht beeinflussen können, umgehen lässt. Dieses Spannungsfeld bzw. dessen Auswirkungen lassen sich aber oft nicht aus der eigenen Biografie erklären, also muss ich meine biografischen Bezüge anschauen und mir diese bewusst machen. Das ist dann das Angst- und Sehnsuchtsspannungsfeld der Eltern, Großeltern, oft ganz anders beeinflusst durch historischer Einflüsse wie Krieg, Krankheit, mangelnde Kenntnisse oder Bildung, andere soziale und gesellschaftliche Verhältnisse etc. Nur mit diesem Bewusstsein komme ich zu einer Erkenntnis für mein eigenes Leben und kann persönliche Fehleinschätzungen und Verhaltensweisen aufdecken, die sich nicht aus der eigenen Biografie erklären lassen.

Ich brauche Bewusstsein und Erkenntnis für den schwierigsten Teil im Umgang einer jeden Biografie, die Konsequenz oder Verhaltensänderung, wenn es denn gewünscht ist oder eine Verbesserung erwarten lässt. Außerdem hilft Bewusstmachung und Erkenntnis bei drastischen und unfreiwilligen Lebenswenden oder schwierigen Grundvoraussetzungen wie die indische Lebensrealität vieler Gesellschaftsschichten. Dieser Dreisprung ist unabdingbar für die seelische Gesundheit und den Schutz vor psychischen oder physischen Schäden, der dauerhaften Überbelastung oder der mangelnden Entspannung in unserer modernen Gesellschaft.

Hinzu kommt auch der Wandel von der Industriegesellschaft zur Wissens- und Informationsgesellschaft, die eine völlig andere Kommunikationsfähigkeit erfordert. Zukünftig kommt es auf drei Kernkompetenzen an: Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz und seelische Gesundheit. Leider wird Kommunikation nirgendwo vernünftig gelernt, gelehrt und gelebt, weder in den Familien oder brüchigen sozialen Gefügen heute, als auch in der Berufsausbildung, den Universitäten oder auch in den Unternehmen. In Indien macht sich kaum jemand überhaupt Gedanken zu Kommunikationsunfähigkeit oder Kommunikationsdefiziten. Eigentlich müsste es dort wie hier ein Schulfach Kommunikation geben, welches bei dem Austausch von Lebensgeschichten und Lebenserfahrung in der Familie beginnt, diese lebensrelevanten Prozesse im Berufsleben beschreibt und aufzeigt, was das wiederrum für den Lebensabend bedeutet. Biografische Kommunikation ist immer auch ein Umgang mit der Endlichkeit des Lebens.

Die zweite Kernkompetenz ist die soziale Kompetenz. Im Industriezeitalter hatte der Chef immer Recht, der Abteilungsleiter auch, schließlich war sein Schreibtisch länger und er hatte ein Fenster mehr im Büro. Heute arbeiten die Menschen projektbezogener und das bedeutet, dass ich mit meinem Wissen und meiner Expertise heute der Boss in einem Projekt bin, morgen aber nur eine Randfigur, weil dann der Praktikant mehr weiß und kann als ich. Hier muss ich also soziale Kompetenz beweisen und auch mal zurückstecken können. Der Wandel fällt bei der Konditionierung durch althergebrachte Verhaltensweisen besonders schwer, besonders natürlich, wenn ein noch tief verwurzeltes religiöses oder gesellschaftliches Normen- und Wertesystem eben das verhindert.

Durch die schnellen und oft drastischen Veränderungsprozesse, die sich aus dem Leben in einer technologischen Wissens- und Informationsgesellschaft ergeben, kommt es zur dritten Kernkompetenz bzw. persönlichen Herausforderung und gesellschaftlichen Aufgabe, der seelischen Gesundheit. Die schnelle Erfassung und Priorisierung von Informationen, der ständige Wandel in Abläufen, all das macht Menschen Angst, lässt sie verharren, blockieren oder sogar sabotieren, am eigenen Leben aber auch dem der Mitmenschen.

Kommunikation und das Nutzen analoger Fähigkeiten im digitalen Zeitalter ist also eine Mammutaufgabe für ein Land wie Indien mit 1,3 Milliarden Menschen und einer gelenkten Volkswirtschaft und seinen vielfältigen Problemen.

Der Autor Matthias Grenda ist seit 1988 als Medien- und Kommunikationsberater, Kommunikationstrainer, freier Autor und Querdenker tätig.

 

Text: Matthias Grenda

Bild: Pixabay

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Neueste Podcast Episoden

Episode 9/21: The Wisdom Workshop Interview with Rolf Lutterbeck about „Consciousness Development“ (Interview in German)

Rolf Lutterbeck, computer scientist, former executive, today systemic coach and trainer talks about the different levels of consciousness. We talk about the different perspectives that can be taken from level to level and what influence this has and can have on business and politics. What is needed for a hopeful future for future generations?

Thank you, dear Rolf, for your deep friendship. It’s nice that we know each other!

Enjoy watching the video, which is accompanied with really informative slides.

Episode 9/21: Die Weisheitswerkstatt Interview mit Rolf Lutterbeck über „Ebenen der Bewusstseinsentwicklung“

Rolf Lutterbeck, von Hause aus Informatiker, ehem. Führungskraft, heute systemischer Coach und Trainer spricht über die unterschiedlichen Bewusstseinsebenen. Wir sprechen über die Perspektiven, die von Ebene zu Ebene eingenommen werden können und welchen Einfluss dies auf Wirtschaft und Politik hat und haben kann. Was braucht es für eine hoffnungsvolle Zukunft für nachfolgende Generationen? Was bedeutet das für die persönliche Entwicklung und wie spreche ich Menschen auf unterschiedlichen Bewusstseinsebenen an?

Danke, lieber Rolf, für deine tiefe Freundschaft. Schön, dass wir uns kennen!

Viel Freude beim Anschauen des Videos, das mit wirklich informativen Folien begleitet wird. Natürlich auch anzuhören, nur dieses Mal ist es wichtig die Folien zu sehen.

Episode 8/21: The Wisdom Workshop 2nd Interview with Ajahn Michael „How does suffering arise?“ (German)

Why does Buddha define complaining, birth, sorrow, etc. with the term „suffer“? You could say that these terms lead to suffering. Actually, they are not suffering per se. But Buddha defined it as above. Why? This is one of the questions Ajahn Michael has long asked himself. Through long research in neurology, psychotherapy and psychopathology, he has found tools to exactly understand this. He shares his interesting discoveries with us in this interview. Especially the discovery that Buddha’s teachings are congruent with the aforementioned sciences.

This interview is a continuation of the first interview with Ajahn Michael. But it stands for its own and can therefore be watched independently.

Episode 8-21: Die Weisheitswerkstatt 2. Interview mit Ajahn Michael „Wie entsteht Leid?“

Warum nennt Buddha sich Beklagen, Geburt, Kummer usw. Leid? Man könnte sagen, dass diese Begrifflichkeiten zu Leid führen. Sie sind eigentlich nicht per se Leid. Aber Buddha hat es, so wie oben beschrieben, definiert. Warum? Das ist eine der Fragen, die Ajahn Michael sich lange gestellt hat. Durch lange Recherchen in der Neurologie, der Psychotherapie und der Psychopathologie hat er Tools gefunden, um genau das zu verstehen. Seine interessanten Entdeckungen, v.a. dass die Lehren des Buddha kongruent mit den genannten Wissenschaften sind, teilt er mit uns in diesem Interview.

Dieses Interview schließt zwar an das erste Interview mit Ajahn Michael an, steht aber für sich und kann somit auch ohne Vorkenntnisse angeschaut bzw. angehört werden.

Episode 7/21: The Wisdom Workshop Interview with Ute Marke „The Mad Mom Cycling“

Episode 7/21: The Wisdom Workshop Interview with Ute Marke „The Mad Mom Cycling“

“We are one human race. We all have the same aspirations and dreams … we all have the same hopes … and we all go through the same things. We should stop limiting ourselves to religion, gender, or to national aspects. This is just rubbish in my sense … I just consider myself to be part of the human race. I bow my head towards India, because India allows me to be the way I am” – Ute Marke

Ute Marke whose nick name is “The Mad Mom Cycling”, is a certified economist with sound experience in Telecommunication sector with strong focus on human centered digitalization. Now a days she supports young businesses within the green economy with strategic advice and consultancy. She has enabled life enhancing social projects in Africa and India

Where does her passion for India come from? What has this country given her? What relationship does she have with spirituality and how does she see herself and others see her? And of course we speak about Leadership and Change, resilience and sustainable future. What can German companies learn from India?

Listen to this impressive woman, who learned cycling at the age of 45 and cycled 1000 miles through Lesotho for a good cause and the Himalayas! Ute, you rock and P L E A S E keep on going. You show people around the world, that nothing is impossible and everything starts in your mind: boundlessness or the belief in a life full of boundaries. You are a role model! Thank you for this wonderful and very deep interview. With a deep bow!